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 Murray, Liz: Als der Tag begann

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Ramones
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BeitragThema: Murray, Liz: Als der Tag begann   Di März 29, 2011 6:50 pm


Originaltitel: Breaking Night
Originalverlag: Hyperion
Aus dem Amerikanischen von Frauke Brodd
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-29108-9
Verlag: Diana
Erscheinungstermin: 28. März 2011

Inhalt
Zitat :
Oft traurig und doch voller Witz und Lebensmut — eine wahre Geschichte vom Erwachsenwerden und Überleben

Liz Murray, aufgewachsen in der Bronx, Eltern drogensüchtig, mit 15 obdachlos, ohne Schulausbildung. Wie schafft sie den Absprung in ein Leben mit Zukunft? Liz Murray erzählt vom Erwachsenwerden, davon, wie sie ihre Eltern verliert und sich mühevoll ein Harvard-Stipendium erarbeitet, mit einer Sprache, die — anrührend und humorvoll zugleich — alles lebendig werden lässt.

Schon als kleines Kind weiß Liz Murray, was es heißt, am Existenzminimum zu leben. Armut und Hunger bestimmen den Alltag ihrer Familie. Doch obwohl die Hippie-Eltern drogenabhängig sind, erleben Liz und ihre Schwester Lisa nicht nur Elend und Leid. Im Gegenteil, ihr Vater ist ein schräger, aber liebevoller Mensch, und er bringt seinen Töchtern bei, nicht auf das Geschwätz der Leute zu hören, sondern der Welt kritisch zu begegnen. Die Momente des Glücks sind dennoch kurz. Mit 15 ist Liz obdachlos, schwänzt die Schule und zieht mit anderen Kindern, die auch nirgends hingehören, durch die Straßen. Erst als ihre Mutter an Aids stirbt, wird Liz klar, dass sie so nicht enden will. Mit großer Willenskraft und einem Durchhaltevermögen, das sie selbst erstaunt, schafft sie mit 19 ihren Highschool-Abschluss und macht ihren Weg bis an die Eliteuniversität Harvard.
Quelle: randomhouse.de

Eigene Meinung
Nach der allzu "berauschenden" Vergangenheit der Eltern, lässt sich für das Leben der Familie keine zu großen Fortschritte erwarten, obwohl es anfangs ganz gut aussieht. Die ersten Jahre wächst Liz ohne Vater auf, da dieser eine Gefängnisstrafe abzusitzen hat. In dieser Zeit kümmert sich die Mutter aufopfernd um ihre beiden Mädchen. Doch als der Vater in ihre Wohnung zurückkehrt, geht das meiste Geld der Sozialschecks für Drogen drauf und immer öfter müssen Liz und ihre Schwester Lisa mit leerem Magen zurechtkommen. Während bei Lisa eine, während der Jahre, immer stärkere Rebellion gegen das Verhalten der Eltern auftritt, bemüht sich Liz um deren Liebe. Nicht, dass die Eltern ihre Töchter nicht lieben würden, nein, sie bringen ihnen wirklich ihre ganze Liebe, die sie aufbringen können, entgegen. Doch Liz will ihre ganze Aufmerksamkeit um sie so vielleicht von den Drogen fernzuhalten. Bereits im Grundschulalter merkt sie aber, dass sich ihr Vorhaben als unmöglich herausstellt und so sieht sie sich als Beschützerin, wenn sich die Eltern ihren "Schuss" verpassen, dass ihnen im Rausch nichts zustößt. Im Gegensatz zu Lisa, die regelmäßig zur Schule geht, schwänzt Liz sehr viel und verbringt die Freizeit lieber auf der Straße mit ihren Freunden. Hier wird sie akzeptiert, nicht wie in der Schule, wo sie wegen ihrer schmutzigen Kleidung und ihres Geruchs gehänselt und ausgeschlossen wird, auf der Straße ist sie unter Gleichgesinnten. Der Verfall der Eltern nimmt immer mehr zu, bis die Familie auseinanderbricht und die Mutter zu ihrem neuen Freund zieht. Nach einem Heimaufenthalt, lebt auch Liz dort, aber kurze Zeit später kann sie die Gewaltätigkeiten des Mannes ihrer Mutter gegenüber, deren Alkoholabhängigkeit und körperlichen, sowie seelischen Zerfall, nicht mehr ertragen und entscheidet sich endgültig für ein Leben auf der Straße - bis zu dem Tag, als ihre Mutter stirbt.

Mit sechzehn Jahren ist Liz Halbwaisin und gänzlich mittellos. Will sie so enden wie ihre geliebte Mutter? Was hat das Leben auf der Straße aus ihr gemacht und was wird aus Liz werden? Soll sie ständig in Abhängigkeit anderer Menschen leben? Nein!!! Langsam, aber sicher begreift Liz, dass es so nicht weitergehen kann. Sie träumt von Unabhängigkeit, einem Dach über dem Kopf, einem warmen Bett und vollen Kühlschrank. Doch ohne vernünftigen Schulabschluss, wird all dies nie erreichbar sein. Liz bewirbt sich an den verschiedensten Highschools, geht wieder regelmäßig zur Schule und schließt diese mit Bestnoten ab. Und ihren größten Traum, ein Studium an der Universität Harvard, erreicht sie durch ein Stipendium.

Das Buch ließ mich sprachlos zurück! Zum einen die Beschreibungen über das Leben auf der Straße und die Ablehnung oder das Mitleid, das Menschen wie Liz entgegengebracht wird. Doch durch Mitleid bekommen sie auch kein Dach über den Kopf, man muss die Initiative ergreifen und den Menschen helfen. Diese Hilfe findet Liz bei ihren Freunden, die zu ihrer großen Familie werden. Da sie während der Highschool weiter auf der Straße lebt, gewähren ihr diese Unterschlupf und durch verschiedene Jobs spart sich Liz Geld zusammen. Mehr als einmal ist sie versucht wieder zu schwänzen, wenn sie ihre Freunde davon ziehen sieht, aber Liz hat ihr Ziel klar vor Augen und lässt sich durch nichts mehr davon abbringen.

Ich bewundere diese Frau! Ihren Mut, die Energie und Willenskraft, die nötig ist, sich von ganz unten aufzuraffen und sein Leben neu zu ordnen. Der Drogenmissbrauch ihrer Eltern, deren Verfall sie hautnah miterlebte, war wenigstens ein abschreckendes Beispiel, weshalb nie welche für sie in Frage kamen. Bewundernswert ist ebenso, die Liebe, die sie ihren Eltern ständig entgegenbrachte. Nie verurteilte Liz sie, nie warf sie ihnen ihre Fehler vor, denn sie konnten einfach nicht anders, die Drogen bestimmten ihr Leben. In einem Brief an ihre Mutter, nachdem diese gestorben ist, gibt sich Liz sogar selbst die Schuld dafür, weil sie nicht dagewesen war und sich lieber auf der Straße vergnügt hatte. Von da an wollte die junge Frau alles besser machen, das erreichen, was ihr Ma geraten hat und Liz steckte sich ihre Ziele noch höher - und erreichte sie!

Ich sehe diese Buch, das Liz' Lebensgeschichte erzählt, zum einen als Apell an die Menschen um sie wachzurütteln und darauf hinzuweisen, wozu der Missbrauch von Drogen führt. Gleichzeitig und vor allem, ist es ein Buch, das Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken, den Mut machen soll, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Alles ist möglich, man muss nur an sich selbst glauben und den inneren Schweinehund überwinden! Auch mich hat das Gelesene motiviert, wozu vor allem zwei Sätze beitrugen:

Zitat :
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Zitat :
Das Leben bekommt die Bedeutung, die man ihm gibt.

Es ist ganz egal, in welcher sozialen Situation man sich befindet, es gibt immer einen Grund, sein Leben in die Hand zu nehmen und stetig zu verbessern! Ich ziehe meinen (imaginären) Hut vor Liz Murray, die es geschafft hat und nun durch ihre eigene Agentur mit Seminaren genau das den Menschen zu vermitteln versucht! Ein wahrhaft lesenswertes Buch, durch das man um einige Erfahrungen und Denkweisen reicher wird!

Vom sprachlichen Aspekt her ist es eher schlicht gehalten. Manchmal verlieren sich plötzlich Zusammenhänge, weil immer wieder etwas aus der Vergangenheit oder der Zukunft in die eigentliche Erzählung eingeschoben wird. Das hat mich ab und zu schon gestört und an ein paar Stellen wurde, meiner Meinung nach, nicht ganz korrekt übersetzt. Dies ist jedoch neben Liz' Lebensgeschichte und der Geschichte zwischen den Zeilen, so nebensächlich, dass ich dafür garantiert keinen Punkt abziehen werde!

5 Sterne



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BeitragThema: Re: Murray, Liz: Als der Tag begann   Di März 29, 2011 7:48 pm

Wow, Ramones, eine tolle Rezension.

Leider rütteln solche Bücher immer nur die Menschen für einen Moment auf, die sie gerade lesen. Wenn man sich die Wirklichkeit anschaut, bekommt der Spruch "Geld regiert die Welt" ja täglich mehr Bedeutung. Es geht doch nur noch darum, wie mehr Geld gemacht wird, was bedeuten da die Menschen, die hinten von der Schippe fallen.
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Ramones
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BeitragThema: Re: Murray, Liz: Als der Tag begann   Mi März 30, 2011 12:01 am

Danke! Smile

Ja, da hast du allerdings recht und leider wird es immer schlimmer No
Ich hab mich während des Lesens erinnert, wie ich gegenüber Menschen auf der Straße denke, wenn ich welche sehe und wie viel Mitleid ich mit ihnen habe, aber das wars auch schon. Nach einem kurzen Moment war die Sache wieder vergessen... Wahrscheinlich werde ich auch in Zukunft solche Moment schnell vergessen, trotzdem hat mich Liz' Geschichte zum Umdenken gebracht.
Wegen dem Buch wird wohl niemand einen Obdachlosen bei sich aufnehmen, aber vielleicht trägt es dazu bei, Obdachlose in der Fußgängerzone weniger schief und/oder verachtungsvoll anzusehen.
Und wir, die sich so vieles leisten können an Luxusgütern, sollten uns einfach mal mit dem zufrieden geben, was wir haben, diese Dinge achten und nicht immer mehr haben zu wollen!



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BeitragThema: Re: Murray, Liz: Als der Tag begann   Mi März 30, 2011 12:49 am

Da stimme ich Dir 100-prozentig zu.
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Miba
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BeitragThema: Re: Murray, Liz: Als der Tag begann   Mi März 30, 2011 8:42 pm

Auf Arbeit fällt mir das zur Zeit extrem auf...Es soll immer mehr in immer kürzerer Zeit produziert werden und auch in den Gesprächen,da werden die "armen Menschen",z.B. in Japan oder so mal kurz bedauert und im nächsten Augenblick wird wieder über irgendeine Belanglosigkeit gelacht-manchmal ist das fast schon skurril No
Aber das führt ja jetzt vom Thema weg,wollt sagen,schöne Rezension!Da bekommt man wirklich Lust aufs Lesen Smile


Ob eine Sache gelingt,erfährst du nicht,wenn du darüber nachdenkst,sondern wenn du es ausprobierst.
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