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 Kurkow, Andrej: Der wahrhaftige Volkskontrolleur

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Ramones
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BeitragThema: Kurkow, Andrej: Der wahrhaftige Volkskontrolleur   Do Aug 18, 2011 8:56 am

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (8. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 385218679X
ISBN-13: 978-3852186795

Klappentext
Zitat :
"Naja, weißt du ... er lebt!" Karpowitsch flüsterte nun leise.
"Wer?"
"Na er, du weißt schon: Er lebte, er lebt, er wird leben ...
na Lenin, der Kremlträumer ... so nennt man ihn dort unten!"
"Unten?" Banow bohrte nachdenklich in seinem Ohr, dann blickte er Karpowitsch fragend an. "Wo unten?"
Karpowitsch seuftze tief. Es war offensichtlich, dass er nicht vorgehabt hatte, mehr preiszugeben, als er breits getan hatte, aber er beschloss, seinem verständnislosen Kampfgenossen entgegenzukommen, und flüsterte: "Unter dem Kreml ..."


Der Bestseller von Andrej Kurkow endlich auch auf Deutsch: charmante Helden, eine abenteuerliche Geschichte und viel schwarzer Humor - ein echter Kurkow eben.
Quelle: Buchrücken

Auf der Kolchosversammlung wird Genosse Pawel Aleksandrowitsch Dobrynin zum Volkskontrolleur gewählt - eine ehrenvolle Aufgabe. Obwohl er dazu auf unbestimmte Zeit seine Familie verlassen muss, macht er sich sogleich am nächsten Morgen auf den Weg. Mit verschiedenen Fahrzeugen wird er in die Hauptstadt Moskau in den Kreml gebracht, wo er von Genosse Kalinin in sein neues Amt eingeführt wird. Anschließend wird Pawel nach Norden gebracht, seinen ersten Einsatzort. Dort deckt er die dunklen Machenschaften des zuständigen Genossen Kriwizkij und das Schicksal, das seine Kontrolleur-Vorgänger ereilte, auf.

Zeitgleich begibt sich ein Engel aus dem Paradies auf die Erde um herauszufinden, warum noch nie ein Bewohner der Sowjetunion in den Himmel gekommen ist. Wenigstens einen Menschen wünscht sich der Engel zu finden. Auf seinem Weg schließt er sich einem Trupp von Deserteuren, Bauern, Zimmerleuten und weiteren Menschen unterschiedlicher Berufsständen an, die von einem Mann geführt werden, der sie alle ins Neue Gelobte Land bringen soll...

Es ist schwierig den Inhalt eines Buches zusammen zu fassen, das für mich hinten und vorne keinen Sinn ergibt. Der Klappentext ist schon ziemlich nichtsaussagend und ebenso verhält es sich mit der ganzen Geschichte. Obwohl mir die Leseprobe auf vorablesen.de gut gefallen hat, ließ mich "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" am Ende ratlos und enttäuscht zurück. Neben den zwei oben beschriebenen Geschichten gibt es noch jene von dem Künstler Mark und seinem Gedichte rezitierenden Papageien Kusma und die des Schuldirektors Banow, der einer Frau wieder das Träumen lehrte. Eigentlich geht man dann davon aus, dass die Fäden irgenwann zusammenlaufen, doch dies war leider nicht der Fall, jeder Handlungsstrang mit seiner eigenen Hauptperson plätschert nur vor sich hin, ohne sonderlich Spannung zu wecken. Lediglich die Sache mit Dobrynin's verschwundenen Kollegen ließ mich kurzzeitig aufhorchen.

Von einem richtigen Schluss kann definitiv nicht die Rede sein! Klar, das Buch hat eine letzte Seite, was das Ende andeutet, die vier Geschichten selbst aber enden abrupt mitten im Geschehen. Da fragt man sich schon, was das jetzt sollte, doch diese Frage wird wohl nur der Autor selbst beantworten können.

Von Andrej Kurkow's Figuren war mir eigentlich keine so richtig sympathisch. Pawel Dobrynin hat zwar ein gutes Herz und ist klug, in manchen Situationen reagiert er allerdings nur dumm und naiv. Überhaupt konnte man bei keiner der Personen einen wirklichen Charakter ausmachen. Außerdem war es für mich bis zur ersten Hälfte schwierig, die russischen Namen zu unterscheiden. Des weiteren hat der Autor kein Talent Gefühle zu beschreiben. Er kennt zwar die Eigenschaftswörter dafür, aber diese den Leser auch spüren zu lassen, gelingt ihm nicht. In Verbindung mit dem Roman wird immer von Humor gesprochen, was ich jedoch nicht bestätigen kann. Kein einziges Mal huschte auch nur das kleinste Lächeln über mein Gesicht. Ganz im Gegenteil, ich fand die Stimmung meistens bedrückend und manchmal sogar traurig.

Zeitlich ist der Roman zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg angesiedelt nachdem Lenin die UdSSR gründete und gestorben ist, also nach 1924, und vielleicht sind die Lebens- und Denkweisen im Buch auch nur nachvollziehbar, wenn man die geschichtlichen Hintergründe kennt. Ich fand die Aussage ziemlich traurig, dass im Falle einer Erkrankung eines Menschen, dies als Sabotage am Vaterland gesehen wurde. Man lebte demnach nicht für sich selbst, sondern für den Staat und die Dienste, die man erwies. Merkwürdig fand ich die Theorie des Autors, dass Lenin gar nicht tot sei, sondern im Untergrund des Kremls weiterlebte.

Naja, an dem Buch ist vieles merkwürdig! Den einen Stern vergebe ich für den Schreibstil, der mir gefallen hat und den Anfang des Buches. "Der wahrhaftige Volkskontrolleur" liest sich sehr flüssig, sodass man glücklicherweise rasch voran kommt. Die angepriesenen charmanten Helden, den schwarzen Humor, Spannung und Einfühlung gingen spurenlos an mir vorüber. Laut den Buchbeschreibungen habe ich mir einen Roman mit mehr Tiefgang erwartet! Für mich war es wohl das erste und letzte Buch von Andrej Kurkow.

1,5 Sterne



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Kurkow, Andrej: Der wahrhaftige Volkskontrolleur
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