StartseitePortalBuchreihenFAQSuchenMitgliederUnsere PartnerforenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Donoghue, Emma: Raum

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Ramones
Co-Admin
Co-Admin
avatar

Weiblich

Anzahl der Beiträge : 2354

Alter : 27

Ort : in Niederbayern

BeitragThema: Donoghue, Emma: Raum   Mi Mai 30, 2012 2:53 am

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 4 (August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492054668
ISBN-13: 978-3492054669
Originaltitel: Room

Klappentext
Zitat :
Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Und dort versteckt sie ihn im Schrank, wenn Old Nick kommt...
Quelle: Buchrücken

Jack feiert auch seinen fünften Geburtstag in Raum. Auf knapp zwölf Quadratmetern verbringen dort er und seine Ma ihren Alltag mit essen, spielen und schlafen. Etwas anderes hat der Junge nie kennen gelernt, denn er wurde in Raum geboren und hat ihn noch nie verlassen. Auch, dass ihn seine Mutter im Schrank versteckt, wenn Old Nick kommt, ist für Jack Normalität. Doch dann erklärt Ma, es gibt eine Welt außerhalb von Raum. Alles, was er bisher im Fernsehen gesehen hat, andere Menschen, Tiere und Pflanzen, existiert wirklich und deshalb müssen sie versuchen aus Raum und vor Old Nick zu fliehen. Für den fünfjährigen Jack ist plötzlich nichts mehr wie es war und es liegt allein an ihm, seine Mutter mittels eines gewagten Fluchtplans zu retten...

Auffällig ist zunächst der ungewohnte Erzählstil, da der Roman komplett aus der Sicht des fünfjährigen Jack erzählt wird. Wie "Jack" sein Name ist, sind auch Raum, Tisch, Schrank und Bett die Namen der Gegenstände, weshalb er meistens keine Artikel benutzt. Manchmal konjugiert er Wörter falsch, wird jedoch von seiner Mutter stets korrigiert. Ich war erstaunt, als herauskommt, dass sie Jack bereits das Lesen und Schreiben beigebracht hat. Als Außenstehender versteht man manche Zusammenhänge nicht auf Anhieb, da man in seinen Gedankengängen viel weiter ist als Jack, der glaubt, die ganze Welt seien die zwölf Quadratmeter, auf denen er lebt. Es ist beim Lesen also Konzentration erforderlich.

"Raum" ist in fünf große Abschnitte gegliedert. Im ersten begleitet man Jack und seine Mutter im Alltag und lernt Raum kennen. Neben einem Schrank, dem Bett, einem Tisch und Stühlen, besitzen sie noch einen Fernseher, eine Toilette, eine Badewanne, sowie einen Kühlschrank und eine kleine Küchenzeile mit Herd und Spülbecken. Ihre Lebensmittel erhalten sie von Old Nick, der meistens täglich gegen neun Uhr abends erscheint und "das Bett quietscht", wenn Jack im Schrank schläft. Als Zeitvertreib malen oder basteln Ma und der Junge oder spielen selbsterfundene Spiele, wie z. B. Geschrei. Doch am liebsten lässt sich Jack Geschichten erzählen. Vor allem im ersten Teil muss man viel mitdenken um zu verstehen, was wirklich hinter Jacks harmlosen Beschreibungen steckt.

Im zweiten Teil "Entlügen" berichtet ihm Ma von der Welt außerhalb von Raum, wie sie hierher gelangt ist und dass sie nicht für immer hier in Raum leben würden, sondern versuchen müssen zu fliehen. Für Jack ist dies nur schwer begreiflich, hat er doch bislang nichts anderes kennengelernt und war auch so völlig glücklich.

In "Sterben" schmiedet Jacks Mutter einen Fluchtplan. Dabei obliegt es allein dem Jungen ihr Martyrium zu beenden und die Polizei zu Raum zu führen. Ob so eine Flucht allerdings in Wirklichkeit funktionieren würde, bezweifle ich. Auch die schnelle Abhandlung des Entkommens steigert die Glaubwürdigkeit nicht, doch dem aufmerksamen Leser ist klar, dass Emma Donoghues Augenmerk auf etwas anderem liegt.

In den letzten beiden Abschnitten begleitet man Jack und seine Ma, wie sie Schritt für Schritt in die Freiheit zurückkehren. Dies fand ich am interessantesten. Mit Spannung und Freude verfolgt man Jacks erste Erfahrungen und seine Erkundungen der neuen Umgebung. Doch die Autorin gewährt auch Einblicke in die Jahre vor seiner Geburt und in die Gefühlswelt seiner Mutter. Einerseits ist sie glücklich über die errungene Freiheit, doch gleichzeitig wird sie von ihren Eltern und den Medien bedrängt, wodurch sie sich überfordert fühlt. Und nicht jeder ist von Jacks Existenz begeistert, doch für seine Ma ist und bleibt der aufgeweckte, neugierige kleine Kerl der Halt im Leben.

"Raum" ist ein sehr berührender Roman, der im Leser die unterschiedlichsten Gefühle hervorruft - Angst, Mitleid, Wut, aber auch Freude und Glück. Emma Donoghue stellt die Opfer von Entführungen, Vergewaltigung und jahrelanger Freiheitsberaubung in den Mittelpunkt und versucht, deren Gefühle, Handlungen und Reaktionen dem Leser näher zu bringen. Man kann sich auch relativ gut in Jack und in seine Mutter hineinversetzen, manche Reaktionen wiederum konnte ich gar nicht nachvollziehen. Es ist schockierend mit welcher Machtlosigkeit man dem Ganzen gegenüber steht, wenn man erfährt, was sich vor Jacks Geburt zugetragen hat und sich auch weiterhin nebenbei abgespielt hat. Faszinierend ist es, wie glücklich Jack in seiner kleinen Welt ist und wie viel Kraft und Mut seine Mutter bewiesen hat indem sie ihren Sohn mit all ihrer Liebe zu einem klugen und wissbegierigen Kind erzogen hat.

Man kann es eigentlich gar nicht beschreiben, was Emma Donoghue mit diesem Roman geschaffen hat, der den Leser absolut nicht kalt lässt, sondern sehr viel zum Nachdenken anregt. Man muss "Raum" einfach gelesen haben!

4,5 Sterne



Ein Raum ohne Bücher, ist ein Körper ohne Seele.
(Cicero)
Nach oben Nach unten
 
Donoghue, Emma: Raum
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
 :: Bücher nach Genres :: Sonstiges an Belletristik-
Gehe zu: